Autismus und Pferde

Das therapeutische Reiten gilt im Bereich ASS (Autismus Spektrum Störung) als wunderbare Symbiose.
Es werden immer wieder aussergewöhnliche Erfolge erzielt.

Warum ist das so?

«Ein Pferd fühlt die kleinste Unstimmigkeit zwischen dem, was du fühlst und dem, was du vorgibst zu fühlen.»  Linda Kohanov

Pferde sind in der Lage auf Stimmungen und die Körpersprache sowie den Muskeltonus des Menschen zu reagieren. Sie sind immer authentisch und halten nichts von `Spielchen`. Dies ist perfekt für Menschen im Spektrum. Können sie doch häufig mit Ironie oder Zweideutigkeit gar nicht umgehen. Unter diesen Voraussetzungen ist das Pferd der ideale Therapiepartner.
Als ich mich vor einigen Jahren auf eine Stelle beworben habe, ein Atelier mit frühkindlichen Autisten (nonverbal) zu leiten, kam das Gespräch auf meine Erfahrung mit Pferden.

Erfreut meinte meine Gesprächspartnerin: «Autisten zu begleiten ist ähnlich wie Pferde führen.»
Anfangs war ich etwas irritiert über diese Aussage. Nachdem ich die Stelle erhalten habe und nun einige Jahre Erfahrung mit Menschen im Spektrum habe, kann ich die Aussage bekräftigen.
Immer wieder stelle ich wunderbare Gemeinsamkeiten im Umgang fest.

Hierzu zählt für mich:
Klarheit: ich muss wissen, was ich möchte und dies deutlich und klar kommunizieren
Kongruenz: beide merken sofort, wenn ich etwas anderes vorgib zu sein, als ich in dem Moment bin und reagieren darauf
Kleine Erfolge feiern: Wiederholungen in kleinen Schritten und kleinste Erfolge feiern
Körpersprache: die `Muttersprache`
Innere positive Haltung: so sind positive Entwicklung und Erfolge möglich

Das therapeutische Reiten kann bei ASS vor allem die Bereiche unterstützen:

  • Förderung von sozialen Fähigkeiten
  • Verbesserung der Körperwahrnehmung und Feinmotorik
  • Aufbau von Beziehungen
  • Reduktion von Angst und Stress
  • Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen stärken
  • Förderung sensorischer Integration
  • Möglichkeit für Naturerlebnisse, die sich beruhigend auf die Psyche auswirken

Regelmässig führen wir mit dem Waldatelier ganztägige Pferdetage durch.
Die Klienten erfahren hier von den Pferden bedingungslose Akzeptanz, Wohlwollen und Selbstwirksamkeit. Arnold, frühkindlicher Autist, konnte anfangs die Pferde nicht berühren. Mittlerweile kann er beide Hände für einige Sekunden auf dem Pferderücken liegen lassen. Zwar erscheint dies als nicht sehr spektakulär, für Arnold ist es jedoch ein Riesen Schritt. Diese und viele andere positive Entwicklungen berühren mich jedesmal sehr.

Da ich selbst im Bereich der Hochsensibilität zuhause bin, weiss ich um die schnelle Reizüberflutung ebenso wie die heilsame Wirkung, die Pferde haben können. Mir ist es eine Herzensangelegenheit dich oder dein Kind auf sehr bedachte, sorgsame und einfühlsame Art zu begleiten und den Aufbau einer Pferd-Mensch Beziehung zu ermöglichen.

Nach oben scrollen